Die Uni-Hitparade

Das neue Förderranking von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wird in Hochschulen erneut viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Denn die Höhe der Einwerbung von Drittmitteln wird als ein Indikator für "Forschungsleistung" einer Hochschule herangezogen und von Manchem sogar mit dieser gleichgesetzt. Das Ranking erfasst neben Mitteln der DFG nun auch andere nationale und europäische Quellen für die Finanzierung von Forschung, basierend auf Angaben der Mittelgeber, über die Jahre 2005-2007. Die Anteile der Fördermittel sind dabei (gerundet): 30% DFG , 25% Wirtschaft, 20% Bund, 10% EU, 10% Stiftungen, 5% Rest.

Eine Vielzahl von Auswertungen versucht insbesondere die Stärken der einzelnen Standorte herauszuarbeiten. Besonders instruktiv sind viele Schaubilder, die die Nähe von Hochschulen zu bestimmten Themen visualisiert. Interessant sind auch Darstellungen von Beziehungen zwischen Hochschulen, ausgewertet auf der Basis von gemeinsamen Projektvorhaben.

Dem Anspruch, die Forschungsleistung und -profile von Universitäten abzubilden, wird die Auswertung auch weiterhin nur zum Teil gerecht. Weiterhin stehen in dem Bericht die DFG-Daten im Vordergrund. Will das Ranking der DFG dem Ansrpruch gerecht werden, "die" Forschungsleistung von Hochschulen auszuwerten, wird man genauere Analysen auch der anderen Mittelgeber vorstellen müssen.

Die öffentliche Rezeption reduziert das Ganze auf eine Hitparade der Unis: Aachen vorne! Die UDE vom 28. auf den 39. Platz (von 92 Unis) abgerutscht. Für Hochschulleitungen sind dies wichtige Informationen, um die eigene Einrichtung besser einschätzen zu können. Doch was sagt das Ranking "wirklich"? Welche Handlungskonsequenzen ergeben sich für die Leitung einer Hochschule oder eines Instituts, für den einzelnen Wissenschaftler?

Die Platzierung in der "Hitparade" korreliert zunächst einmal mit der Größe der Hochschule, wie mehrfach (etwa von Richard Münch) diskutiert, was nun wirklich keine "Leistung" der Hochschule ist. Zum anderen stellt sich die Frage: Wodurch entsteht eigentlich der - beeindruckende ! - Erfolg etwa der RWTH Aachen in der Drittmitteleinwerbung (auch wenn man die vermutlich sinnvollere Auswertung "pro Wiss." heranzieht)? Ist dies eine Leistung der Hochschulleitung? Welche Mechanismen können dafür letztlich verantwortlich gemacht werden? Wodurch entsteht eigentlich Forschungsleistung an Hochschulen?

Verräterisch sind Sätze wie: "Die Universität X fokussiert dagegen in besonderem Maße auf das Fördergebiet Y " Man kann solche Sätze als "stilistisches Mittel" werten, doch in ihnen kommt die Idee zum Ausdruck, als ob "die Universität" forschen würde. Das Förderranking vernebelt durch solche Aussagen die reale Situation an Hochschulen. Es besteht die Gefahr, dass der Blick von Hochschulleitungen, gerade in großen Hochschulen, sehr abstrakt auf "parameterwirksame" Potenziale schaut, und vergisst, dass die Forschungsleistung letztlich und schlicht das Ergebnis vieler einzelner Akteure oder Gruppen von Forscher/innen ist.