Was für eine Diskrepanz: "Harvard und co." gelten in Deutschland als Chiffren für reiche Unis, Höchstleistung, Gewinner in Rankings. Mit dem Verweis auf "Harvard und co. " wird in Deutschland gerne die "Zurichtung" unseres Hochschulsystems und seine "Modernisierung" - böse Zungen würden sagen: "Zerstörung" - begründet.
Doch sind dies die Themen und Diskussionen, die diese Top-Unis heute tatsächlich bewegen? Man möge sich einmal auf den Seiten von Harvard umsehen. Die Rede der Präsidentin Drew Faust zum neuen akademische Jahr gestern hat mich geradezu umgehauen (s.a. hier). Sie geht sachlich auf die finanzielle Problematik der Universität ein, immerhin hat die Uni einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens verloren. Doch im Laufe der Rede holt sie immer weiter aus, und entwirft ein INHALTLICHES Programm einer Universität von morgen. General Education, Global Health, joint degree programms, die Verbindung von Science und Humanities in Studienprogrammen, das Thema "neue Lehrmethoden": sehr präsent, Service Learning, eine Wissenschaft, die sich in den Dienst von Gesellschaft stellt. Und ganz selbstverständlich: die Bedeutung von IT für die Hochschulentwicklung.
Hören wir dort etwas von Rankings, Drimittelakquisitionsstrategien, Internationalisierungsbemühungen, Studienabbruchsenkungsprogrammen, Exzellenzinitiativen oder ähnlichem? Nein, das sind die Basics, die jede Uni bearbeiten muss (und die für Harvard natürlich bereits "gegessen" sind). Drew Faust ist aber eben in der Lage, eine inhaltliche Perspektive für ihre Universität aufzuzeigen, die die Menschen - so denke ich - "bewegt"! (s.a. Video).
