Die Düsseldorfer Landesanstalt für Medien hat eine Expertise in Auftrag gegeben zu Informationskompetenz in Deutschland (Harald Gapski & Thomas Tekster, ecmc GmbH).
Das Konstrukt "Informationskompetenz" bezieht sich auf den Begriff "information literacy", der vor allem im Kontext wiss. Bibliotheken diskutiert wird, und verstanden werden kann als
- ".. die Fähigkeit, bezogen auf ein bestimmtes Problem den Informationsbedarf zu erkennen, die relevanten Informationen zu ermitteln und zu beschaffen sowie gefundene Informationen zu bewerten und effektiv zu nutzen. Ein Mangel an Informationskompetenz wird beispielsweise dann diagnostiziert, wenn z. B. Studierende mehrdimensionale Informationsrecherchen auf einfache Suchmaschinenanfragen („googlen“) reduzieren oder Schüler(innen) ihre Texte nicht selbst verfassen, sondern mittels „Copy & Paste“ unreflektiert zusammenfügen."
„Informationskompetenz bezeichnet die Fähigkeit, mit beliebigen Informationen selbstbestimmt, souverän, verantwortlich und zielgerichtet umzugehen“ (Ballod 2007: 290). In dieser Definition von Ballod (2007) kann der Begriff „Information“ durch „Medien“ ersetzt werden. Diese Ersetzung führt zu einer gängigen Begriffserklärung für „Medienkompetenz“ und zeigt die Verbundenheit beider Begriffe."
„Informationskompetenz ist ein Praxiskonzept, das grundsätzlich überzeugt, in zentralen Bereichen aber theoretisch zu wenig fundiert und empirisch belegt ist“ (Ingold 2005: 99)."
Ich überlege, wie man ein Verhältniss zwischen "Informationskompetenz" und "Medienbildung" beschreiben könnte. Medienbildung, in der Tradition des Pragmatismus verstanden, meint die doppelte Fähigkeit, medial vermittelte Information und Kommunikation zu erschliessen, zu verstehen und diese zugleich instrumentell zu nutzen, um sich zu artikulieren, mit anderen über Medien vermittelt zu kommunizieren und an gesellschaftlicher Kommunikation teilzuhaben (s. Kerres & de Witt S. 16).
Man könnte sagen, "Informationskompetenz" betont stärker den Umgang mit verfügbaren Wissensbeständen. Betrachtet man die Strukturierungsvorschläge (s. S. 17), wie z.B. Eisenberg & Berkowitz, sind diese allerdings identisch mit der Definition von "Problemlösefähigkeiten" - und diese werden in der Lehr-Lernforschung als stark domänenspezifisch, und eher nicht generisch, eingeschätzt. Medienbildung inkludiert andererseits Informations- UND Kommunikationsfähigkeiten und zwar sowohl in der Rezeption als auch in der Artikulation.
- [Auch Gabi Reinmann ringt gerade um so schwierige Begriffe wie Lernen und E-Learning :-) ]
Definitionsversuche helfen also wenig weiter. Im Kern scheint es mir "eigentlich" um die Frage zu gehen, wie Kompetenzen an (Hoch-) Schulen entwickelt werden können und wie verschiedene Akteure dabei zusammenwirken können. Mein Vorschlag also:
"Informationskompetenz" ist im Rahmen der Diskussion über den künftigen Auftrag von Bibliotheken entstanden. Haben diese sich lange Zeit als Archive des Wissens verstanden, verweist der Begriff "Informationskompetenz" auf die nunmehr zusehends wichtiger werdende Aufgabe, den "Umgang" mit Wissen in Medien aktiv zu unterstützen. Die Diskussion zeigt damit auf die Frage, wie sich das Verhältniss von Lehre im Fachbereich (in der Wissenserschliessung) und anderen Maßnahmen der Kompetenzentwicklung, etwa der Bibliotheken, künftig austariert. Kann diese Aufgabe (weiterhin) im Rahmen fachbezogener Lehre (also im Umgang mit medial vermitteltem Wissen im Fachstudium) mit- gelernt werden? Und welche Rolle spielen - angesichts zunehmend komplexer werdenden Anforderungen im Umgang mit digitalen Wissensmedien - weitere "Akteure" der Kompetenzentwicklung (etwa in Hochschulen: Bibliotheken ... )?
