Der Tagungsherbst neigt sich dem Ende entgegen und ich konnte dieses Jahr eine ganze Reihe von Tagungen besuchen. Deswegen - nach der "geografischen Landkarte" - heute einige Gedanken zur "sozialen Landschaft".
Die Kommission Medienpsychologie der Dt. Gesell. f. Psychologie hatte zum ersten Mal eine Tagung in englischer Sprache ausgerichtet. Erfolgreich: es fanden sich ca. 80 Kolleg/innen auch aus dem europäischen und weiteren Ausland nach Duisburg zu der von Nicole Krämer ausgerichteten Tagung ein. Mit der englischsprachigen Ausrichtung setzt die Kommission auf internationale Vernetzung. Es herrscht darüber hinaus ein "inkludierendes" Klima vor, das auch Kolleg/innen aus Nachbardisziplinen auf die Tagung führt.
Die GMW ist ein e.V., gegründet von Medienentwicklern innerhalb und außerhalb von Hochschulen. Mit den E-Learning Förderprojekten der 1990er Jahre kamen zunehmend auch Wissenschaftler/innen verschiedener Fachdisziplinen - wie Medizin, Geschichte, Sprachen - hinzu. In Berlin – auf der gemeinsamen Veranstaltung mit der E-Learning Fachgruppe der Gesell. für Informatik mit ca. 500 Tn – war ein großer Teil der Wissenschaftler/innen anwesend, die ihr Forschungsgebiet als "Mediendidaktik" bezeichnen. Das "GMW-DeLFI-Doppelpack" wirkt offensichtlich einladend für verschiedene Disziplinen und bringt Interessierte aus Anwendung und Forschung zusammen. (wobei ich mich auch auf das "DeLFI-MuC-Doppelpack" nächstes Jahr in Duisburg freue - eine andere, aber gleichermaßen interessante "Mischung" von Communities.)
Die Kommission Medienpädagogik der Dt. G. f. Erziehungswissenschaft schließlich tagte in Dortmund (mit ca. 60 angemeldeten Tn), auch: zu Ehren von Renate Schulz-Zander, die nächstes Jahr pensioniert wird: Ihre Arbeiten u.a. zu "Schulentwicklung und Medien", auch im Rahmen internationaler Vergleichsstudien, sind ganz wesentliche Meilensteine medienpädagogischer Forschung.
Ich habe mich auf der Tagung sehr wohl gefühlt und anregende Vorträge und Diskussionen erlebt. Die Situation der Kommission macht mich zugleich nachdenklich. Ich stelle fest, dass eher wenige "etablierte" Kolleg/innen aus Universitäten sich aktiv einbringen, und insbesondere die Kolleg/innen mit eher mediendidaktischen Schwerpunkt fühlen sich wenig "eingeladen". Dabei hat die Mehrzahl der medienpädagogischen Professuren mittlerweile einen mediendidaktischen Schwerpunkt. Bin ich der Einzige, der dies als Problem wahrnimmt? Die Kommission Mendipädienpädagogik soll nun aufgewertet werden zu einer eigenen Sektion in der DGfE: Dann fände ich es - weiterhin - besonders wichtig, wenn sich "die" Professuren für Medienpädagogik hier zuhause fühlen könnten.
Das medienpädagogische Manifest, mit viel – bemerkenswerter – Mühe vom Vorstand als politisches Statement vorwärts gebracht, wird dazu aus meiner Sicht eher wenig beitragen. Mir sind die dort genannten politischen Forderungen nicht konkret genug und sie erscheinen mir keineswegs logisch zwingend. Vor allem aber: Ich sehe Forschung als Kernthema der Kommission. Der Vorschlag des Vorstandes, die nächste Tagung zugunsten eines „politischen Gipfeltreffens“ gemeinsam mit anderen Instituten, wie JFF, GMK, Hans-Bredow-Institut, Wohlfahrts- und Jungendverbänden u.ä., ausfallen zu lassen, wurde schnell aufgegeben.
Vielleicht sollten wir uns über das Selbstverständnis der Kommission erneut und weiterhin verständigen. Einige vorläufige Gedanken von mir:
1. Die Komm. MPäd ist das Forum für wissenschaftliche Forschung zu Mediendidaktik und Medienerziehung.
2. Die Komm. MPäd ist die Community der Wissenschaftler/innen mit einem mediendidaktischen und medienerzieherischen Schwerpunkt in ihrer Forschung.
3. Die Arbeit der Komm. MPäd hat vorrangig das Ziel, medienpädagogische Forschung inhaltlich voranzutreiben, die Verständigung über medienpädagogische Forschungsmethodologie zu unterstützen und Qualitätsstandards medienpädagogischer Forschung zu etablieren.
Vielleicht könnten wir auch über die Organisation der Tagung sprechen, auch auf dem Hintergrund der Entwicklung von Standards anderer Tagungen. Hier ein paar Gedanken:
4. Vielleicht brauchen wir weniger Tagungen? Wir bewegen uns als Medienpädagog/innen auch auf anderen Tagungen (s.o.) und werden es m.E. kaum schaffen, zwei Tagungen pro Jahr hinreichend zu bestücken und zwar im Hinblick auf hochwertige a) Ergebnisse / Vorträge und b) Publikum (In der einen - von zwei - Parallel-Sessions, die ich moderierte, waren zweitweise weniger als 8 Zuhörende.)
5. Wäre es nicht besser, die Tagung wäre thematisch offen für Einreichungen aus der gesamten med.päd. Forschung? Sie präsentiert einfach: aktuelle Forschungskonzepte, -projekte, - ergebnisse und reflektiert forschungsmethodologische Ansätze der MPäd. (dann wären ALLE Med.Päd. eingeladen, ihre besten Ergebnisse einzureichen ... freilich: Wir müssen arbeiten an klaren Kritierien zu Bewertung der unterschiedlichen Einreichungen ...)
6. Ziel sollte sein, die Tagung als den Ort zu etablieren, an dem die wichtigsten Vorhaben und Ergebnisse der aktuellen Forschung in der Medienpädaogik (zunächst: im deutschsprachigen Raum) sichtbar gemacht werden ... (eigentlich selbstverständlich … ?)
7. Vielleicht reicht 1 Keynote pro Tag? (Dieses Jahr: 8 eingeladene Vorträge, davon 2 Vorträge von Vorstandsmitgliedern.)
8. Ich denke, man könnte für die Programmgestaltung, wie andernorts und m.E. auch früher praktiziert, ein Programmkommitte einsetzen, das eingereichte Beiträge "transparent" begutachtet. (statt Setzung durch Vorstand) - Wir werden dabei sicher einiges an - notwendiger - Diskussion über Bewertungskriterien erzeugen ...
9. Es wäre vielleicht auch ein geeignetes Publikationsformat für Proceedings zu finden. Das „Jahrbuch“ hat bereits heute eine andere Funktion und ist dafür nicht geeignet. Für die Attraktivität der Tagung wäre es wichtig, dass die Referenten eine Publikation erhalten, die zugleich zitiert werden kann ...
10. Für Poster-Sessions fände ich es gut, wenn diese im Tagungsprogramm genannt werden, für diese ein "dezidierter Slot" vorgehalten wird und als ernsthaftes Beitragsformat in die Tagung integriert wird.
Nach der Tagung ist vor Tagung.
